Das Schützenwesen in Helmighausen

Das Helmighäuser Schützenwesen hat schon vor der urkundlichen Erwähnung bestanden. Bereits im Jahr 1634 wird in der Rhoder Chronik des Pfarrers Zacharias Wahl berichtet:

„Am 13. Februar sind Oesterhold, Eremiten und Paul Daube von der Desenbergschen Börde herüber gezogen, ... bei zweitausend Pferde stark, ... und haben Mengeringhausen brennen lassen, ... Ein Trupp ritt ab nach dem Brauen Walde“, da sich auf der Sandkuhle die helmighäusischen und neudorfischen Schützen aufhielten, davon sie drei, namens Crans Hanselein, den Drost und Amtsheber, alle zu Helmighausen wohnhaft, totgeschossen, andere verwundet.

Weitere wertvolle Aufzeichnungen über die Entstehung und Anfangsjahre sind leider bei dem großen Ortsbrand 1836 vernichtet worden.
Die Tradition der Schützenfeste, wie wir sie heute feiern, knüpfen an die Schnatzüge, die bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts durchgeführt wurden, an. Bei den Schnatzügen handelt es sich um einen Ortsgrenzbegang, bei dem man sich mit den Vertretern der angrenzenden Gemeinden traf, um den Grenzverlauf des Ortes oder der Orte immer neu zu bestätigen und festzulegen.

Aus dem Gemeindeprotokoll vom 6. Juli 1870 geht nachfolgender Bericht hervor: Der Gemeinderat hat dem Schützenverein die Erlaubnis erteilt, das Schützenfest auf der Walme abzuhalten. Es wird auch genehmigt eine Vogelstange daselbst und wird der Schützengesellschaft die Walme die 3 Tage als Eigentum überlassen.

Der letzte König vom Schadzug eröffnete als König den ersten Schützenzug vom 17. Juli 1870. Am 18. Juli 1870 wurde Christian Schmidt zum ersten König des Helmighäuser Schützenvereins proklamiert. Im gleichen Jahre stifteten Karl und Friedrich Bunse das große Schild in der Mitte unseres heutigen Schützenkleinods.



Das erste Schützenfest nach dem Krieg fand im Jahr 1951 statt.
Amtierender König war Heinrich Nehm, der im Jahr 1937 die Königswürde errungen hatte.

Um die Kinder und Jugendlichen noch aktiver in das Schützenfest und damit in das gesamte Vereinsleben einbinden zu können, entschloss sich der Vorstand, ab 1951 auch einen Kinderkönig zu proklamieren. Der faire Wettstreit um den Abwurf des hölzernen Vogels ist ein fester Bestandteil des Schützenfestes geworden und wird jedes Mal mit großem Interesse verfolgt. Das Kinderkönigspaar und sein Hofstaat führen im Festzug die Kinderkompanie an, die ohne Zweifel eine echte Bereicherung des Festzuges darstellt.



Am Himmelfahrtstag im Jahre 1971 wurde nach langer Unterbrechung wieder ein „Schnadezug“ durchgeführt. Da die Bevölkerung großes Interesse und Anteilnahme an dieser Veranstaltung zeigte, wurde beschlossen, in jedem festfreien Jahr wieder einen Schnadezug durchzuführen. Dieser soll jedoch nicht mehr – aus Rücksichtnahme auf das in unserem Nachbardorf Orpethal stattfindende Frühlingsfest – am Himmelfahrtstag, sondern zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt werden.
Um ein einheitliches Bild aller Schützen – vor allem im Festzug – zu erreichen, wurden Anfang der 60er Jahre grüne Schützenjacken aus Leinen und Schützenhüte angeschafft. Diese wurden 1972 durch unsere heutigen Schützenuniformen ersetzt.
Im gleichen Jahr wurde in der Jahreshauptversammlung beschlossen, den „Geckkönig“ in Vizekönig umzubenennen, um die Position allgemein aufzuwerten. Damit der „Vizekönig“ nicht in Vergessenheit gerät und man auch dieses Amt gebührend würdigt, werden auf einer Schärpe seither sämtliche Vizekönige namentlich erwähnt.
1974 wurde eine neue Fahne angeschafft mit dem Spruch: „Der Tradition verbunden – dem Fortschritt verpflichtet“. Die alte Fahne aus dem Jahre 1870 wird in Ehren gehalten und selbstverständlich noch heute in jedem Festzug mitgeführt.


Die Ermittlung des Schützenkönigs wurde auch nach dem 2. Weltkrieg an der alten Vogelstange mit der Armbrust und später mit dem Kleinkaliber durchgeführt. Verschärfte gesetzliche Bestimmungen ließen ein weiteres „Vogelschießen“ an der alten „Stange“ nicht mehr zu. Deshalb wurde fortan der Vogel auf einer ca. 2,00 m hohen Stange im sogenannten „Totenwege“ angebracht und mit Kleinkaliber-gewehren abgeschossen. Nach langwierigen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden wurde im Jahr 1972 eine ganz neue Vogelstange mit Kugelfang errichtet, und seitdem wird wieder – wie in alten Zeiten – auf den Vogel und auch auf den Geck geschossen.
Um den Erfordernissen der heutigen Zeit, vor allem aus Haftungsgründen, Rechnung zu tragen, hat der Verein seit 1990 eine Satzung und ist gleichzeitig im Vereinsregister eingetragen. Zur Zeit sind im Schützenverein 206 Mitglieder registriert. Nachwuchssorgen hat unser Verein nicht. Dieses zeigt der alljährliche Beitritt der Jungschützen und auch der Neubürger.

Der Schützenverein veranstaltet alljährlich auch noch eine weitere alte Tradition

Das OSTERFEUER in Helmighausen

Ein alter Brauch, wahrscheinlich noch aus vorchristlicher Zeit, hat sich bis heute erhalten. Gegen Ende der Fastenzeit begann die Arbeit für das Osterfeuer.
Früher musste das Osterfeuer von den Jungen des Dorfes aufgebaut werden.
Gleich nach der Schneeschmelze bekamen die Obstbäume den Frühjahrsschnitt, und die Hecken zwischen den Feldern wurden zurückgeschnitten. Das dabei anfallende Reisig durfte gesammelt werden. Aus dem Wald war nur selten Holz zu bekommen, denn auch das Leseholz wurde noch von den Förstern gegen Schein abgegeben. Die vier senkrechten Fichtenstangen an den Ecken des Stapels, die „Stützen“, mussten meist noch „besorgt“ werden. Jeder Bauer, der einen Sohn bei der Schuljugend hatte, leistete eine Fuhre.
Gleichzeitig mit den Vorbereitungen für das Feuer mussten die Fackeln hergestellt werden. Ein Stück Fichtenholz bekam am Ende einen Griff und wurde vom anderen Ende her so aufgespalten, dass viele kleine Splitter entstanden. Nach gründlicher Trocknung, am besten auf einem Backofen, wurde die Fackel zunächst mit heißem Kiefernharz, später mit Petroleum getränkt.
Am Ostersamstag musste dann noch Stroh zum Anheizen des Feuers gesammelt werden. Die Jungen zogen mit einem Leiterwagen durchs Dorf und riefen:
„Strauh hyi, Strauh hyi, or ne alle Tunne hyi.“
Gegen Nachmittag wurde dann das Stukenfeuer angezündet. Baumstuken, die bei Windwürfen oder Rodungen angefallen waren, ergaben ein schönes wärmendes Feuer, bei dem die Nacht über gewacht wurde, damit das nun fertig aufgebaute Feuer nicht vorzeitig von anderen angezündet wurde.
Am 1. Ostertag, bei Einbruch der Dämmerung, kamen die Fackeln dann zum Einsatz. Jeder wollte natürlich eine größere Fackel haben als sein Freund.
Im Stukenfeuer wurde sie in Brand gesetzt und durch kreisende Bewegungen voll entfacht.
Unter ständigem „Schwenken“ ging es bis zur Spitze des Tannenberges. Von weitem war es ein schöner Anblick, wie flache Feuerkreise sich den Berg hinauf bewegten. Waren die Fackeln soweit abgebrannt, dass das Feuer der Hand bedrohlich nahe kam, ging es zurück zu Feuer und der ganze Holzstoß ging nach Einwerfen in das Stroh in Flammen auf.
Der Zeitpunkt wurde nach Möglichkeit so lange hinausgezögert, bis das Hesperinghäuser Feuer auch brannte. Auch im weiten Umkreis waren Lichtscheine anderer Osterfeuer zu sehen.
Ab Mitte der 50er Jahre, als die Jahrgänge anzahlmäßig immer schwächer wurden, und nicht mehr genügend 10 – 15 jährige Jungen im Dorf zur Verfügung standen, übernahm der Sportverein, der auch den Osterball veranstaltete, den Aufbau.
Ab 1975 übernahm der Schützenverein die Veranstaltung des Osterballs sowie auch den Aufbau des Osterfeuers.
   
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